Odyssee

4. Kapitel – Kalypso[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zur gleichen Zeit wie Mulligan bereitet auch Leopold Bloom das Frühstück in
seinem Haus in der Eccles Street 7 für seine Frau Molly und dann für sich zu.
Der Leser wird mit der Gedankenwelt Blooms vertraut gemacht. Die äußeren
Handlungen und Eindrücke vermischen sich mit seinen persönlichen Empfindungen
und Gedanken. Beim Metzger Dlugacz in der Nachbarschaft kauft er eine Schweine
niere, die er dann brät: „Den feinen Tee-Dunst riechen, Dampf von der Pfanne,
zischende Butter. Nahe sein ihrem schwellenden bettwarmen Fleisch. Ja, ja.“
Dadurch verstößt Bloom gleich bei seinem ersten Auftreten gegen die jüdischen
Speisegesetze. Er bringt Molly das Frühstück und die Morgenpost ans Bett, die
einen Brief ihres Liebhabers Blazes Boylan enthält („Während er das Rouleau in
sanften Rucken halb hochließ, bemerkte sein rückwärtiges Auge, wie sie einen
Blick auf den Brief warf und ihn dann unter ihr Kissen steckte.“). Fast brennt
ihm die Niere an – beim Frühstück liest er dann in der Küche den Brief seiner
Tochter Milly.

Danach begibt sich Bloom mit der Zeitung auf das Klohäuschen im Hofe, um sich
zu erleichtern: „In Ruhe las er, seinen Drang noch unterdrückend, die erste
Spalte und begann, schon nachgebend, doch mit Widerstreben noch, die zweite.
Auf ihrer Mitte angelangt, gab er seinen letzten Widerstand auf und erlaubte
seinen Eingeweiden, sich zu erleichtern, ganz so gemächlich, wie er las, und
immer noch geduldig lesend, die leichte Verstopfung von gestern ganz
verschwunden. Hoffentlich ists nicht zu groß, geht sonst mit den Hämorrhoiden
wieder los. Nein, grade richtig. So. Ah! Bei Hartleibigkeit eine Tablette
Cascara sagrada.“ Seine Gedanken drehen sich auch um eine bevorstehende
Beerdigung, an der er teilnehmen muss. Bevor er das Klohäuschen betritt, achtet
er darauf, seine Hosen nicht dreckig zu machen. Am Ende des Kapitels versucht
er herauszufinden, zu welcher Uhrzeit die Beerdigung stattfinden soll.

Der Titel des Kapitels verweist auf Molly, die hier mit der Nymphe Kalypso, die
von Odysseus verlassen wird, in Verbindung gebracht wird. Am Abend, bei Blooms
Rückkehr, wird sie Penelope sein.

  • Ort: zu Hause
  • Uhrzeit: 8 Uhr morgens
  • Organ: Niere
  • Wissenschaft: Wirtschaft
  • Farbe: orange
  • Symbol: Nymphe
  • Technik: Erzählung (erwachsen)
  • Korrespondenzen:
      □ Calypso: die Nymphe
      □ Dlugacz: der Widerruf (Recht)
      □ Zion: Ithaca

5. Kapitel – Lotophagen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bloom beginnt seine Wanderung durch Dublin. In diesem Kapitel, das Joyce dem
Narzissmus zugeordnet hat, sind Körperpflege und -geruch die vorherrschenden
Themen, das Motiv der Blume (Lotos) durchzieht den Text. Auf Umwegen geht Bloom
zum Postamt und holt einen Brief ab. Wir erfahren, dass er unter dem Pseudonym
„Henry Flower“ mit einer gewissen Martha korrespondiert, wodurch diese
Konnotation seines Namens verstärkt wird. Der Brief enthält eine zerdrückte
gelbe Blume: „Er riß mit Ernst die Blume aus der Nadelheftung, roch ihren fast
gar keinen Ruch und brachte sie an seiner Herztasche an. Blumensprache. Die
mögen sie, weil keiner sie hören kann.“ Das Postskriptum des Briefes („PS: Sag
mir doch, was für ein Parfum benutzt Deine Frau.“) beschäftigt ihn den ganzen
Tag.

[220px-Dublin_Sweny_Druggist]
 
Sweny’s Drogerie im Mai 2007

In Sweny’s Drogerie kauft Bloom die berühmte Zitronenseife („Süßes zitroniges
Wachs“), deren Duft ihn ebenfalls den ganzen Tag – und somit den ganzen Roman –
begleiten wird. Sogar der Körpergeruch des Drogisten spielt während des Kaufes
in Blooms Gedanken eine Rolle: „Der Drogist blätterte Seite um Seite zurück.
Sandgelb verschrumpelt, so riecht er scheints auch.“ Danach trifft Bloom auf
einen flüchtigen Bekannten („Bantam Lyons’ schwarznägelige Finger entrollten
den Stab. Braucht auch mal ne Waschung. Daß wenigstens der gröbste Dreck
runterkommt.“). Durch ein Missverständnis meint dieser, Bloom hätte ihm einen
Tipp für das nachmittägliche Pferderennen gegeben.

Das Kapitel endet mit der Vorfreude auf sein Bad in einer öffentlichen
Badeanstalt, einer beruhigten narzisstischen Betrachtung seines Körpers im
Wasser: „Er sah im Geiste seinen bleichen Leib darin ruhen, lang ausgestreckt
und nackt […] und sah die dunklen verstrickten Löckchen seines Büschels fluten
[…], eine schlaffe flutende Blume.“

  • Ort: Bad
  • Uhrzeit: 10 Uhr morgens
  • Organ: Genitalien
  • Wissenschaft: Botanik, Chemie
  • Farbe: –
  • Symbol: Eucharistie
  • Technik: Narzissmus
  • Korrespondenzen:
      □ Lotophagen/Lotosesser: Kutschenpferde, Kommunikanten, Soldaten,
        Eunuchen, Badende, Cricket-Zuschauer

6. Kapitel – Hades[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nachdem Bloom sich für die Beerdigung frisch gemacht hat, fährt er mit der
Kutsche zur Beisetzung. In der Kutsche sitzt auch Stephens Vater, Simon
Dedalus. Bloom erblickt Stephen – zum ersten Mal an diesem Tag kreuzen sich
ihre Wege – und macht Simon auf ihn aufmerksam: „Da ist grad ein Freund von
Ihnen vorbeigegangen, Dedalus, sagte er. – Wer denn? – Ihr Sohn und Erbe.“

Das Gespräch der Passagiere dreht sich – neben Alltäglichem wie der Straßenbahn
– um den Tod, um Arten des Sterbens und um Begräbnisse. Entsprechend beherrscht
dieses Thema die Gedanken Blooms, für den es unbewusst zum einen mit dem Tod
seines Vaters, der sich das Leben genommen hat, zum anderen mit dem Tod seines
ersten Kindes – seines Sohnes Rudy, der bereits als Kind starb – verknüpft ist.
Immer wieder geht es deshalb bei seinen Reflexionen auf dem Friedhof um
Vater-Sohn-Beziehungen, aber auch um die ersten Jahre seiner Ehe, um
Schwangerschaft und die Mutter-Kind-Beziehung: „Nur Mutter und totgeborenes
Kind werden zusammen in einem Sarg beerdigt. Seh den Sinn schon ein. Ganz klar.
Schutz für den Kleinen so lange wie möglich, selbst in der Erde noch.“

Nachdem der Sarg in die Erde gelassen ist, streift Bloom über den Friedhof und
denkt noch lange über den Tod nach: „Meins liegt da drüben, nach Finglas zu,
die Grabstelle, die ich gekauft hab. Mama, die arme Mama, und der kleine Rudy.“

Der Titel des Kapitels verweist auf den Hades, den Ort der Toten in der
griechischen Mythologie.

  • Ort: Friedhof
  • Uhrzeit: 11 Uhr morgens
  • Organ: Herz
  • Wissenschaft: Religion
  • Farbe: weiß, schwarz
  • Symbol: Totengräber
  • Technik: Inkubismus
  • Korrespondenzen:
      □ Dodder, Grand Canal, Royal Canal, Liffey: die vier Flüsse des Hades (
        Styx, Acheron, Lethe, Kokytos)
      □ Cunningham: Sisyphus
      □ Father Coffey: Cerberus
      □ Hausmeister: Hades
      □ Daniel O’ Connell: Herkules
      □ Dignam: Elpenor (ein Gefährte des Odysseus, der bei Circe betrunken vom
        Dach gestürzt und gestorben war.)
      □ Parnell: Agamemnon
      □ Menton: Ajax

7. Kapitel – Äolus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Setzerei der Tageszeitung versucht Bloom dann, eine Annonce in der
Nachmittagsausgabe zu platzieren. Nachdem er das Büro seines Vorgesetzten
verlassen hat, kommt Stephen herein, um den Leserbrief für Mr. Deasy abzugeben.
Er erzählt den Zeitungsleuten eine Dubliner-Geschichte von zwei alten Jungfern.

Das Kapitel ist eigentlich als Fließtext verfasst, wird jedoch optisch
gegliedert, indem es abschnittweise mit den Inhalt zusammenfassenden
Überschriften versehen wird. So entsteht der Eindruck von Zeitungsartikeln. Ein
Absatz, in dem der Postwagen beschrieben wird, trägt dabei zum Beispiel den
Titel „THE WEARER OF THE CROWN“ („Der Träger der Krone“), oder wenn Bloom sich
mit der Zitronenseife in seiner Tasche beschäftigt, heißt es: „ONLY ONCE MORE
THAT SOAP“ („Nur einmal noch die bewusste Seife“).

Die Titel sind so gewählt, dass sie tatsächlich journalistische und
feuilletonistische Themen aufgreifen könnten, der Inhalt des Kapitels wird
somit ironisch gebrochen. Gegen Ende werden die Überschriften dann ins Absurde
gedreht, verdoppelt und verdreifacht: „DIMINISHED DIGITS PROVE TOO TITILLATING
FOR FRISKY FRUMPS. ANNE WIMBLES, FLO WANGLES – YET CAN YOU BLAME THEM?“
(„Verringerte Finger erweisen sich als zu prickelnd für fröhliche alte
Frauenzimmer. Anne popelt, Flo pupt – doch kann man’s verübeln?“)

  • Ort: Zeitungsredaktion
  • Uhrzeit: 12 Uhr
  • Organ: Lungen
  • Wissenschaft: Rhetorik
  • Farbe: rot
  • Symbol: Herausgeber
  • Technik: enthymemisch
  • Korrespondenzen:
      □ Crawford: Aeolus
      □ Inzest: Journalismus
      □ Schwimmende Insel: Presse

8. Kapitel – Lästrygonen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

[220px-Candy_shop_in_ulysses]
 
"Pineapple rock, lemon platt, butter Scotch", Juni 2009

Bloom bekommt Hunger, ist jedoch durch die Gier der Gäste (die Laistrygonen der
Odyssee sind ein menschenfressendes Riesenvolk) und den Dunst in „Burtons
Restaurant“ angewidert und verlässt es stehenden Fußes wieder, um bei Davy
Byrne ein Gorgonzola-Sandwich mit Senf zu essen.

Entsprechend geht es in diesem Kapitel auch auf allen sprachlichen Ebenen ums
„Fressen“. Es werden nicht nur – wie direkt zu Beginn – dauernd Lebensmittel
benannt („Pineapple rock, lemon platt, butter scotch.“ „Ananas-Bonbons,
Zitronenzöpfe, Buttertoffee.“), sondern auch wenn Bloom über andere Gegenstände
nachdenkt, wie zum Beispiel die Dominanz der katholischen Kirche und der
Priester in Irland, tut er dies in entsprechender Terminologie: „Die fressen
einem noch die Haare vom Kopf herunter. Selber keine Familie zu füttern. Leben
vom Fett des Landes.“ Und selbst der Erzähler greift das Thema auf: „Seine
Augen […] erblickten ein Ruderboot, das […] seinen bepflasternden Bord auf der
siruppigen Dünung schaukeln ließ.“

Am Ende des Kapitels bemerkt Bloom zufällig Blazes Boylan, den Liebhaber seiner
Frau. Sein Gedankenstrom bricht abrupt ab, er flieht in die Bibliothek.

  • Ort: Mittagessen
  • Uhrzeit: 1 Uhr nachmittags
  • Organ: Speiseröhre
  • Wissenschaft: Architektur
  • Farbe: –
  • Symbol: Polizisten (Constables)
  • Technik: peristaltisch
  • Korrespondenzen:
      □ Antipathes: Hunger
      □ der Köder: Essen
      □ Lästrygonen: Zähne

9. Kapitel – Scylla und Charybdis[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dieses Kapitel spielt in der Nationalbibliothek. Hauptsächlich geht es um das
Werk Shakespeares, das in den Gesprächen zwischen Stephen, Mulligan und einigen
Gelehrten mit Leben gefüllt wird. Entgegen einer rein ästhetischen Deutung
(„Ich [Russell] finde, wenn wir die Poesie des König Lear lesen, was schert es
uns, wie der Dichter lebte?“) legt Stephen seine biographische Interpretation
vor. Diese kulminiert in der – von Stephen selbst nicht ernst genommenen –
These über Hamlet, dass der Geist des Königs Shakespeare selbst und Prinz
Hamlet die Verkörperung des mit elf Jahren verstorbenen unbekannten Sohnes des
Dichters, Hamnet, darstelle: „Was seine Familie betrifft, sagte Stephen, so
lebt seiner Mutter Name im Wald von Arden. Ihr Tod brachte ihm die Szene mit
Volumnia im Coriolan. Seines Knabensohns Tod ist die Sterbeszene des jungen
Arthur im König Johann. Hamlet, der schwarze Prinz, ist Hamnet Shakespeare.“

In dem Kapitel geht es jedoch auch um Buchwissen in größerem Rahmen. Berühmte
Namen der Weltliteratur (Platon, Boccaccio, Cervantes, Goethe, Maeterlinck,
Dumas) wie der englischen (Wordsworth, Coleridge, Tennyson, Shelley) und der
irischen Literatur (Yeats, Shaw) werden aufgerufen.

Die Bücher werden zueinander in Beziehung gesetzt – was auch auf das Verfahren
verweist, das Joyce selbst in seinem Ulysses anwendet: „Heute würden wir
natürlich keine nordische Sage mehr mit einem Roman-Exzerpt von George Meredith
kombinieren […]. Er [Shakespeare] verlegt Böhmen ans Meer und läßt Odysseus
Aristoteles zitieren.“

Obwohl Bloom sich ebenfalls in der Bibliothek befindet, treffen Stephen und er
sich jedoch nicht, da Bloom es vorzieht, das Gesäß einer Statue der Venus
Kallipygos eingehender zu betrachten. Der Titel des Kapitels verweist auf seine
Versuche, niemandem direkt zu begegnen, und auf die Thesen und Antithesen, mit
denen Stephen und seine Gesprächspartner ihren dialektischen Disput führen.

  • Ort: Bibliothek
  • Uhrzeit: 2 Uhr nachmittags
  • Organ: Hirn
  • Wissenschaft: Literatur
  • Farbe: –
  • Symbol: Stratford, London
  • Technik: dialektisch
  • Korrespondenzen:
      □ die Felsen (Skylla): Aristoteles, das Dogma, Stratford
      □ der Strudel (Charybdis): Platon, Mystizismus, London
      □ Ulysses/Odysseus: Sokrates, Jesus, Shakespeare

10. Kapitel – Symplegaden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Kapitel „Irrfelsen“ weicht Joyce von seinem literarischen Leitfaden ab: Die
„Irrfelsen“ (αἱ συμπληγάδες Symplegaden) werden in der Odyssee nur erwähnt und
bilden keine eigene Episode. Odysseus vermeidet sie vielmehr, von Kirke
gewarnt, und nimmt den Weg zwischen Skylla und Charybdis hindurch. Die
Irrfelsen – kleine Inseln, die sich hin- und herbewegen und Schiffe, die
zwischen ihnen hindurch zu steuern suchen, zu zerschmettern drohen – werden
vielmehr sowohl von den Argonauten auf ihrer Fahrt als auch von Aeneas auf
seinem Weg nach Italien durchquert.

In 19 Episoden werden Erlebnisse unterschiedlicher Bürger von Dublin erzählt,
teilweise überschneiden und durchdringen sich diese Begebenheiten wie auch die
Bewusstseinsströme der Protagonisten. „Irrfelsen“, bewegliche Felsen, rahmen
das Kapitel ein: Zu Beginn sehen wir Father Conmee, stellvertretend für den
„geistlichen Felsen“ Irlands, die katholische Kirche, der dem Sohn des
verstorbenen Paddy Dignam einen Platz im Jesuitenkolleg von Artane sichern
will. Am Ende des Kapitels steht der irische Vizekönig, der mit seiner Eskorte
zur Eröffnung eines Basars fährt, als „weltlicher Felsen“ der Macht. Die Liffey
– als Bosporus interpretierbar – trennt dabei Osten und Westen. Zwischen zwei
„fremden“ Mächten (Kirche, Großbritannien) droht Irland wie zwischen den
Irrfelsen aufgerieben zu werden und sich selbst zu verlieren.

Im Irrfelsen-Kapitel verlässt der Roman Bloom und Stephen Dedalus für eine
Stunde; nur selten taucht Blooms schwarzer Anzug oder ein gebildeter
Stephen-Gedanke im Gewirr der Bewusstseine auf. Das Kapitel widmet sich den
anderen Bürgern Dublins und ihrem Alltag.

  • Ort: Straßen
  • Uhrzeit: 3 Uhr nachmittags
  • Organ: Blut
  • Wissenschaft: Mechanik
  • Farbe: –
  • Symbol: Bürger
  • Technik: Labyrinth
  • Korrespondenzen:
      □ Bosporus: Liffey
      □ Europäische Bank: Vizekönig
      □ Asiatische Bank: Conmee
      □ Symplegaden: Gruppen von Bürgern

11. Kapitel – Sirenen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bloom speist mit Stephens Onkel Richie Goulding im Ormond-Hotel, während Blazes
Boylan, der gerade auf dem Weg zu Molly ist, vorbeigeht. Blooms Gedanken sind
von seiner Eifersucht geprägt, weshalb er seine Umwelt und auch die Reize der
Bardamen Miss Douce und Miss Kennedys nur bedingt wahrnimmt.

In diesem Kapitel steht die Musik im Vorder- und Hintergrund: In der Bar wird
gesungen, die Herren verlangen von den Bardamen, sie mögen „sonner la cloche“ –
„die Glocke ertönen lassen“ – eine der Damen tut ihnen den Gefallen und lässt
ihren Strumpfhalter auf den Oberschenkel schnalzen. Die Figuren sprechen über
musikalische Themen – der Tratsch über Molly bezieht sich hier vornehmlich auf
ihre Tätigkeit als Sängerin –, Lied- und Melodiefetzen scheinen in ihrem
Bewusstsein auf. Die Struktur des Kapitels ist musikalisch geformt: So kann man
die ersten Seiten als Ouvertüre bezeichnen, denn hier werden eine Reihe von –
dem Leser zunächst unverständlichen – Sätzen exponiert, die erst im weiteren
Verlauf ausgeführt werden und somit ihren Sinn im Handlungsgefüge erhalten,
dann wiederholt und variiert werden. Der erste „Satz“ lautet zum Beispiel
„Bronze bei Gold hörte die Hufeisen, stahlklingend.“ Zwei Seiten später wird er
sinnhaft erweitert: „Bronze bei Gold, Miss Douces Kopf neben Miss Kennedys Kopf
über der Kreuzblende der Ormond-Bar, hörte die vizeköniglichen Hufe
vorüberklappern, klingenden Stahl.“ – was gegen Ende bruchstückhaft wieder
aufgegriffen wird: „Nah Bronze von nah, nah Gold von fern“.

Die Sprache selbst ist rhythmisch. Teilweise imitiert sie den Rhythmus
bestimmter Lieder. Dies ist als weiterer Versuch Blooms, den Gedanken an Mollys
Ehebruch durch Erinnern oder Summen bestimmter Melodien zu verdrängen,
interpretierbar. Dabei verwendet Joyce nicht nur musikalische Fachbegriffe
(„Eine Duodene von Vögeltönen zwitscherte hell diskantene Antwort“), sondern
setzt auch musikalische Zeichen ein, wie das Wiederholungszeichen „:“, das auf
Blooms kreisende Gedanken hinweist. Verschiedene Geräusche werden lautmalerisch
dargestellt („Tapp. Tapp. Ein Jüngling, blind, mit tappendem Stock, kam
tapptapptappend an Dalys Fenster vorbei“).

Die Personen und ihr Handeln werden vom Erzähler mit Begriffen und zahlreichen
Zitaten aus musikalischen Werken beschrieben, wobei das Spektrum (meist
irische) Volkslieder bis große Bühnenwerke wie Mozarts Don Giovanni umfasst.
Unter anderem werden Meyerbeer, Händel, Mozart, Verdi, Offenbach, Donizetti und
Bellini zitiert. Insgesamt sind Anspielungen auf über 150 musikalische Werke
entdeckt worden.

Die titelgebenden Sirenen werden durch die Bardamen (hinter einem „Thekenriff“)
repräsentiert, deren Verführungskünsten Bloom wie seinerzeit Odysseus ohne
Gefahr gegenübertreten kann.

  • Ort: Konzerthalle
  • Uhrzeit: 4 Uhr nachmittags
  • Organ: Ohr
  • Wissenschaft: Musik
  • Farbe: –
  • Symbol: Bardamen
  • Technik: Fuga per canonem
  • Korrespondenzen:
      □ Sirenen: Bardamen
      □ Insel: Bar

12. Kapitel – Der Zyklop[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Für dieses Kapitel namens „Der Zyklop“ wählte Joyce verschiedene Formen des
Berichtes. So wird es zum einen aus der Perspektive eines namenlosen Mannes
erzählt, der unterwegs Hynes trifft, mit ihm in den Pub geht und dort auf Alf
Bergmann und den sogenannten „Bürger“ stößt. Später kommt Bloom hinzu, um auf
Martin Cunningham zu warten. Für diese Textpassagen wird ein schnodderiger, den
mündlichen Sprachduktus imitierender Slang verwendet: „Igittigitt! Und das
nimmt und nimmt kein Ende, das Gefaxe mit dem Pfötchengeben und Alf versucht
die ganze Zeit, daß er nicht von dem verdammten Barhocker runterrutscht und dem
verdammten alten Hund obendrauf, und dabei redet er allen möglichen Stuß
vonwegen Erziehung durch Güte und reinrassiger Hund und intelligenter Hund: Die
Krätze hätt man kriegen können.“

Diese Passagen werden zu anderen in Kontrast gesetzt, die sich eines
elaborierten Stiles bedienen, der die Schriftlichkeit gehobener
Zeitungsberichte nachahmt und parodiert (Eine literarische Technik, die Joyce
selbst „Gigantismus“ nannte): „Das letzte Lebewohl war ungemein ergreifend. Von
den Glockentürmen fern und nah läutete unablässig die Totenglocke, indessen um
den finsteren Bezirk die unheilkündende Warnung von wohl hundert gedämpften
Trommeln rollte, bekräftigt vom Dröhnen zahlreicher Artilleriegeschütze.“

Das Thema des Kapitels ist der Antisemitismus, dem Bloom ausgesetzt ist. Der
Bürger stellt sich als engstirniger irischer Nationalist heraus und fängt an,
Bloom zu belästigen. Schnell treten seine antisemitischen Ansichten hervor, und
die Atmosphäre wird immer gespannter. Als Martin Cunningham schließlich
eintrifft, nimmt er Bloom mit sich, da dieser gerade begonnen hat, sich verbal
gegen die Attacken zu wehren. Der schreiende und tobende Bürger wirft eine
Keksdose hinterher – wie Polyphem, der Odysseus einen Felsen nachschleudert.

Der gehobene Schreibstil mündet gegen Ende in eine Imitation des
Verkündigungstones der Prophezeiungen des Alten Testamentes. „Und dann sehn wir
bloß noch, wie die verdammte Kutsche um die Ecke saust und Old Schafsgesicht
obendrauf am Fuchteln ist“ wird übersetzt in: „Und es kam eine Stimme vom
Himmel und rief: ‚Elias! Elias!‘ Und er antwortete ihr mit einem mächtigen
Schrei: ‚Abba! Adonai!‘ Und sie sahen Ihn, ja Ihn, Ben Bloom Elias, inmitten
von Wolken von Engeln auffahren zur Herrlichkeit der Helle in einem Winkel von
fünfundvierzig Grad über Donohoe in der Little Green Street“. Auch auf diese
Weise wird das Judentum in diesem Kapitel thematisiert.

  • Ort: Kneipe
  • Uhrzeit: 5 Uhr nachmittags
  • Organ: Muskel
  • Wissenschaft: Politik
  • Farbe: –
  • Symbol: Fenier
  • Technik: Gigantismus
  • Korrespondenzen:
      □ Noman: Ich
      □ Stake: Zigarre
      □ Challenge: Apotheose

13. Kapitel – Nausikaa[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Drei junge Mädchen gehen am Strand von Sandycove spazieren, wo sich auch Bloom
aufhält. Die Mädchen necken sich gegenseitig und wollen gerade den Heimweg
antreten, als ein Feuerwerk beginnt. Zwei von ihnen gehen ein Stück weiter, um
eine bessere Sicht zu haben, die dritte, die – Nausikaa symbolisierende –
gehbehinderte Gerty MacDowell, aus deren Perspektive die erste Hälfte des
Kapitels erzählt wird, bleibt. Sie und ihre Welt werden sprachlich in der Form
sentimentaler viktorianischer Trivialromane dargestellt: „Gerty MacDowell, die
unweit von ihren Gespielinnen saß, in Gedanken verloren, den Blick in die weite
Ferne gerichtet, war wirklich und wahrhaftig ein Muster liebreizender junger
irischer Weiblichkeit […]. Die wächserne Blässe ihres Gesichts wirkte fast
vergeistigt in ihrer elfenbeingleichen Reinheit, obschon ihr Rosenknospenmund
ein echter Amorsbogen war, griechisch vollkommen.“

Sie setzt sich auf einen Stein, hebt ihre Röcke, um Bloom zu erregen. Dabei
stilisiert sie diese Anmache zu einer romantisch-wilden großen Liebe: „Sie
hätte gerne nach ihm, erstickend fast, hätte gern die schneeigen Arme
ausgestreckt nach ihm, daß er käme, daß sie seine Lippen auf ihrer weißen Stirn
fühlte, eines jungen Mädchens Liebesschrei.“

Bloom, aus dessen Sicht der zweite Teil des Kapitels geschildert ist, war an
den Strand gekommen, um etwas Ruhe zu finden. Er geht auf die Anmache ein,
wobei das junge Mädchen in seinen Gedanken – um sich aufzugeilen – zum
„durchtriebenen Luder“ wird: „Teufelinnen sind sie, wenns über sie kommt.
Dunkles teuflisches Aussehen.“ – Er masturbiert in der Hosentasche, wobei ihm –
in welchem Grade bewusst, lässt sich wie so oft in diesem Roman auch hier
schwerlich sagen – Assoziationen an Molly und ihren Liebhaber durch den Sinn
gehen: „War das vielleicht grad der Moment, wo er, sie?/ Oh, er hats. In ihr.
Sie hats. Geschafft/ Ah!/ Mr. Bloom zog sich mit sorgsamer Hand das nasse Hemd
zurecht. Meingott, dieser kleine hinkende Teufel. Fühlt sich langsam doch kalt
an und klamm. Die Nachwirkung nicht gerade angenehm. Trotzdem, irgendwie muß
mans ja loswerden.“ Blooms Orgasmus wird durch die Beschreibung des
gleichzeitig stattfindenden Feuerwerks geschildert.

Gegen Ende des Kapitels beschäftigt Bloom sich noch mit dem Brief von Martha,
der somit – zusammen mit seinem voyeuristischen Erlebnis am Strand – den Status
einer kleinen Rache an seiner ihn ständig betrügenden Frau erhält.

  • Ort: The Rocks
  • Uhrzeit: 8 Uhr abends
  • Organ: Auge, Nase
  • Wissenschaft: Malerei
  • Farbe: grau, blau
  • Symbol: Jungfrau
  • Technik: Anschwellen, Abschwellen
  • Korrespondenzen:
      □ Phäakia: Meerstern
      □ Gerty: Nausikaa

14. Kapitel – Die Rinder des Sonnengottes[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Frauenspital von Dublin liegt Mina Purefroy, eine Bekannte Blooms, in den
Wehen. Bloom möchte sie besuchen, wird jedoch nicht zu ihr vorgelassen.
Stattdessen begibt er sich in den Aufenthaltsraum der Ärzte und trifft dort auf
Stephen, der mit Buck Mulligan und anderen Medizinstudenten ein Saufgelage
abhält. Später ziehen alle los, um in einem Pub weiterzutrinken, und danach
weiter zum Bordell der Bella Cohen.

Dieses ist das berühmte Kapitel, in dem die Entwicklung des Sprachstils und der
Sprache selbst vom Altenglischen bis zum zeitgenössischen Dubliner Slang das
Wachstum des Embryos im Mutterleib widerspiegelt. Dabei imitiert Joyce den
Prosastil verschiedener Epochen und entwirft passende Szenarien. Die Helden
unseres Romans agieren abschnittweise wie typische Figuren dieser Texte.

So macht beispielsweise unser Protagonist im Laufe des Kapitels folgende
Metamorphose durch:

  • „Ein man aldo stant der ein farensman waz an des hvs tor da nacht nider nu
    kam. Von Jisraels volc dise man waz vn haert gewandelet vil vnde gefaren vf
    erden.“
  • „Unde Childe Leopold offent sin helmevenster umb daz er ihm gevellic seie
    und tat er ein lützel zoc under ougen uz vriuntschaft danne er niemer
    sunsten nit tranc iender ein met“,
  • „Aber Sir Leopold war arg duster nun […] vnd er gedaht an sein gut frauwe
    Marion die jm ein einzicht menlich kint geboren welchs war am seim eilfften
    lebens tag gestorben vnt kont nit gerett werden vonne keins menschenkunzt
    also dunkel ist das schicksal.“
  • „Leop. Bloom dort wegens einem schwechzufall den er hett, fühlte sich
    jetzund aber beßer, nemblich hett ein wunderlich gesicht gehabt dießen
    abend von seiner dame Mrs. Moll mit rothen pantoffelen und türckischen
    kniehosen welches von kennern wird für ein zeichen deß wechsels gehalten.“
  • „Um nun zu Mr. Bloom zurückzukehren, so hatte dieser gleich bei seinem
    Eintritt wol so mancherley schamloses Gespötte bemerkt, dasselbe jedoch als
    die Früchte jenes Alters ertragen, welches gemeinhin dafür gilt, daß es
    kein Mitleid kennet. Die jungen Spunte steckten, das ist wahr, so voller
    Streiche als wie große Kinder: die Worte ihrer lärmenden Debatten waren nur
    schwer zu verstehen und oftmalen nicht eben lieblich.“
  • „[So] brach bald ein lebhafter Zank der Zungen aus […] und im
    beiderseitigen Konsens wurde die schwierige Frage dem Herrn
    Inseratensammler Bloom mit dem Auftrage vorgelegt, sie alsbald dem Herrn
    Koadjutor Diakon Dedalus zu submittiren. Bisher schweigsam, ob aus dem
    Grunde, durch übernatürlichen Ernst nur um so besser jene wunderliche Würde
    des Gehabens zu entfalten, welche ihm eigen war, oder aus Gehorsam gegen
    eine innere Stimme, zitierte er kurz und, wie einige meinten, recht obenhin
    die geistliche Regel, welche dem Menschen zu scheiden verbietet, was Gott
    zusammengefügt.“
  • „Nicht länger mehr ist Leopold, wie er dort sitzt, sinnierend, das Futter
    der Erinnerung wiederkäuend, jener nüchterne Werbeagent und Inhaber eines
    bescheidenen Päckleins Obligationen. Er ist der junge Leopold, wie in
    retrospektivem Arrangement, ein Spiegel in einem Spiegel (he, presto!), er
    betrachtet sich selbst.“
  • „[J]ener wachsame Wanderer […], welch letzterer noch bedeckt war vom Reise-
    und Kampfesstaub und befleckt vom Kote einer untilgbaren Schändlichkeit,
    aus dessen standhaftem und beständigem Herzen jedoch nicht Lockung noch
    Gefahr noch Drohung noch Erniedrigung je konnte das Bild einer wollüstigen
    Lieblichkeit reißen, welches der begnadete Stift Lafayettes für alle
    künftigen Zeiten aufgezeichnet hat.“
  • „Hinaus stürzt unser Herr Stephen mit einem Schrei, und Krethi und Plethi
    hinter ihm her, der ganze Verein, Draufgänger, Maulaffen, Wettschwindler,
    Pillendoktor, Bloom der Pünktliche ihnen auf den Fersen, unter allgemeinem
    Gegrapsche nach Kopfbedeckung, Eschenstöcken, Degen, Panamahüten und
    Degenscheiden, Zermatt-Alpenstöcken und was nicht sonst noch allem.“
  • „Bravo, Isaacs, man immer wech mit ihnen aus dem Scheißrampenlicht. Komm'
    Se mit, Verehrtester? Aber woher denn aufdringlich, im Leben nich. Bloom is
    sich serr gute Mann.“
  • „Wohnt nicht weit vom Mater. geht auch im süßen Joch der Ehe. Kennst seine
    Holde? Jau, klar doch, det tu ick. Janz flottet Pflänzken. Hab sie mal im
    Näcklischee jesehn. Also da kommt janz schön wat raus, wenn die Pelle
    runter jeht.“
  • „Von wem hast du den Tip gehabt eigentlich, für das Füllen? […] Von Meister
    Iste, ihrem vertrauten Manne. Kein Schmu, von dem ollen Leo. […] So ein
    Dreckskerl von einem scheinheiligen Lügner. […] Ja, also, sag ich, wenn das
    nich die typisch jiddsche mloche is, ja, dann will ich ne missemeschune
    haben. […] Was? Wein für den Schleimer Bloom. Was hör ich, was redst du da
    von Zwiebeln? Bloo? Schnorrt sich Anzeigen zusammen? Von der Photographin
    das Pappilein, schau mal einer an!“

  • Ort: Krankenhaus
  • Uhrzeit: 10 Uhr abends
  • Organ: Bauch
  • Wissenschaft: Medizin
  • Farbe: weiß
  • Symbol: Mütter
  • Technik: Embryonale Entwicklung
  • Korrespondenzen:
      □ Krankenhaus: Trinacria
      □ Krankenschwestern: Lampetie und Phaetusa
      □ Horne: Helios
      □ Rinder: Fruchtbarkeit
      □ Verbrechen: Betrug

15. Kapitel – Circe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In diesem Kapitel, dessen Inhalt einer einzigen phantastischen Halluzination
gleicht, besuchen sowohl Bloom als auch Stephen – noch von der Gegenwart des
anderen nichts ahnend – Bella Cohens Bordell im Red-light district Dublins. In
einer Art „Traumspiel“ greift Joyce das Thema der Vaterschaft erneut auf und
parodiert es in extremer Weise, indem er Bloom zur Frau und schwanger werden
sowie gebären lässt. In einer sado-masochistischen Sequenz wird er von der
Domina Bella zur gegenseitigen Lust gequält: Wie Circe die Gefährten des
Odysseus in der Odyssee in Schweine verwandelt, werden hier durch die Macht der
Puffmutter die untersten, dreckigsten Seelenschichten der beteiligten Personen
nach oben gekehrt. Am Ende flieht Stephen, von Bloom begleitet, aus dem
Bordell. Nachdem Stephen draußen von einem Soldaten niedergeschlagen wird,
kümmert sich Bloom – hier nun wieder in einer fürsorglichen Vaterrolle – um den
Bewusstlosen.

Um dieses Kapitel zu interpretieren, wurden häufig psychoanalytische Vergleiche
gezogen. Da Circe schon im antiken Mythos als Zauberin dargestellt wird, schien
es ebenfalls nahezuliegen, den Themenbereich „Hexe“, „Hölle“ und „Teufel“
hinzuzunehmen: So ist dies Kapitel als „Satansmesse des freigesetzten
Unbewussten“ bzw. als „tiefenpsychologische Walpurgisnacht“ beschrieben worden.

Dies ist das längste Kapitel des Ulysses und in Form eines Dramas geschrieben.
Inhalt und Stil erinnern auch an Antonin Artauds surreales Theater.

  • Ort: Bordell
  • Uhrzeit: Mitternacht
  • Organ: Bewegungsapparat
  • Wissenschaft: Magie
  • Farbe: –
  • Symbol: Hure
  • Technik: Halluzination
  • Korrespondenzen:
      □ Circe: Bellâ

Nostos[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

16. Kapitel – Eumaeus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bloom und Stephen gehen ins Cabman’s Shelter, um etwas zu essen, und treffen
dort unter anderem auf einen betrunkenen Matrosen, der von seinen Seefahrten
berichtet. Bloom – auch hier in der Vaterrolle – kümmert sich um den
betrunkenen Stephen, und nach und nach wächst seine Sympathie für den jungen
Dedalus. Am Ende des Kapitels bietet Bloom Stephen an, die Nacht bei ihm zu
verbringen.

  • Ort: Der Schuppen
  • Uhrzeit: 1 Uhr morgens
  • Organ: Nerven
  • Wissenschaft: Navigation
  • Farbe: –
  • Symbol: Seeleute
  • Technik: Erzählung (alt)
  • Korrespondenzen:
      □ Skin the Goat: Eumaeus
      □ Seemann: Ulysses Pseudangelos
      □ Corley: Melanthius (der Ziegenhirt der Odyssee, der den als Bettler
        verkleideten Odysseus verspottet und dafür kastriert und ermordet wird)

17. Kapitel – Ithaka[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Es ist etwa zwei Uhr in der Nacht. Bloom nimmt Stephen mit zu sich nach Hause.
Bloom hat seinen Schlüssel vergessen. Er klettert durch ein Fenster ins Haus
und schließt dem wartenden Stephen die Tür von innen auf. Bloom bietet Stephen
an, in der Eccles Street 7 zu übernachten.

    „Wurde der Vorschlag der Asylgewährung angenommen?“
    „Er wurde prompt, unerklärlicherweise, auf liebenswürdige Art, mit Dank
    abgelehnt.“

Sie urinieren gemeinsam im Hof gegen den Zaun und Stephen geht. Bloom
verrichtet noch die eine oder andere Handlung und geht dann zu Bett.

War das Kapitel, in dem Vater und Sohn – auf die Odyssee bezogen: Odysseus und
Telemach – sich trafen, so greift „Ithaka“ die Episode auf, in der Odysseus
sich seinem Sohn zu erkennen gibt. Die Themen dieses Kapitels sind entsprechend
einerseits Erkennen und Erkenntnisprozesse, andererseits
Vater-Sohn-Beziehungen. Die Handlung wird – mühsam und umständlich – in Form
von pseudo-wissenschaftlichen Fragen und Antworten erzählt. Joyce greift dabei
auf den Katechismus zurück. Diese Technik, durch die die Szenen eher aufgelöst
als dargestellt werden, steht in ironischer Distanz zu dem warmen,
freundschaftlichen Gefühl, das zwischen den beiden Männern entsteht. Dass Bloom
seinen Schlüssel vergaß, klingt so:

    „Welche Handlung führte Bloom beim Eintreffen an ihrem Bestimmungsort aus?“
    „Auf der Haustreppe der 4. der äquidifferenten ungeraden Nummern, Eccles
    Street Nummer 7, führte er mechanisch die Hand in die Gesäßtasche seiner
    Hose, um den Wohnungsschlüssel herauszuholen.“
    „Befand dieser sich dort?“
    „Er befand sich in der entsprechenden Tasche der Hose, welche er am
    vorvorangegangenen Tage getragen hatte.“
    „Warum wurde er hierdurch doppelt zum Zorn gereizt?“
    „Weil er vergessen hatte und weil ihm einfiel, daß er sich zweimal gemahnt
    hatte, nicht zu vergessen.“
    „Welche Alternativen boten sich nunmehr dem vorsätzlich und (respektive)
    schlüssellosen Paar?“
    „Rein oder Nichtrein. Klopfen oder Nichtklopfen.“

Die genaue Analyse der Situation als Fragespiel verweist ebenfalls auf das
psychoanalytische Verfahren nach Sigmund Freud, bei dem eine – wie es ja
Stephens psychischer Lage entspricht – fehlende Vaterfigur evoziert werden
kann, indem der Psychoanalytiker in Form von Fragen und Antworten eine
therapeutische Beziehung zu seinem Patienten aufbaut.

  • Ort: Zuhause
  • Uhrzeit: 2 Uhr morgens
  • Organ: Skelett
  • Wissenschaft: Wissenschaft
  • Farbe: –
  • Symbol: Kometen
  • Technik: Katechismus (unpersönlich)
  • Korrespondenzen:
      □ Eurymachus (der zweite Hauptfreier Penelopes): Boylan
      □ Freier: Skrupel
      □ Bow: Vernunft

18. Kapitel – Penelope[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Es ist Nacht in Dublin. Leopold Bloom hat sich zu Mollys Füßen ins Bett gelegt.
Diese erwacht nur halb aus dem Schlaf, ihre Gedanken strömen frei. Der Tag mit
allen seinen Eindrücken, Erlebnissen, Geräuschen spielt sich wieder in ihrem
Bewusstsein ab. Wie im Traum oder Halbschlaf spielen Erinnerungen und
Assoziationen in den Gedankenstrom hinein. Kindheitserinnerungen, erotische
Gedanken, Erinnerungen an ihre Jugend in Gibraltar, Gedanken an die Kinder und
ihren Mann Leopold, an frühere Wohnorte strömen in acht langen Sätzen ohne
Punkt und Komma durch Mollys und der Leser Hirn.

Im Einschlafen denkt Molly daran, wie sie Leopold Bloom schließlich als Partner
akzeptierte: „und ich hab gedacht na schön er so gut wie jeder andere und hab
ihn mit den Augen gebeten er soll doch nochmal fragen ja und dann hat er mich
gefragt ob ich will ja sag ja meine Bergblume und ich hab ihm zuerst die Arme
um den Hals gelegt und ihn zu mir niedergezogen daß er meine Brüste fühlen
konnte wie sie dufteten und das Herz ging ihm wie verrückt und ich hab ja
gesagt ja ich will Ja.“

Mollys „Ja“ beschließt den Roman. Ulysses/Odysseus ist nach langer Irrfahrt zu
Hause angekommen. Der Tag ist abgeschlossen, der Held ruht wieder bei seiner
Frau. Das große Werk eines alltäglichen Lebenstages ist getan, „und siehe, es
war sehr gut.“

Homer
    „Aber Eurynome führte den König und seine Gemahlin
    zu dem bereiteten Lager und trug die leuchtende Fackel;
    Als sie die Kammer erreicht, enteilte sie. Jene bestiegen
    Freudig ihr altes Lager, der keuschen Liebe geheiligt.“

  • Ort: Bett
  • Uhrzeit: –
  • Organ: Fleisch
  • Wissenschaft: –
  • Farbe: –
  • Symbol: Erde
  • Technik: Monolog (weiblich)
  • Korrespondenzen:
      □ Penelope: Erde
      □ Netz: Bewegung